Auf dem Weg zur Marktführerschaft digitaler Sprachtherapie: Memocorby Gründerin im Interview

Beitrag von Natasa Kalcic • 07.11.2018 • 09:15
Memocorby Interview

"Wenn man sich die Anzahl der Patienten und die Marktgröße ansieht, wird klar, dass man in der Sprachtherapie digital arbeiten muss." – Dr. Dokalik-Jonak spricht über die Notwendigkeit von Memocorby, dessen Potential sowie zukünftigen Meilensteinen.


Mit Memocorby haben Sie ein revolutionäres Tool zur Sprachtherapie geschaffen, das es in dieser Form noch nie gab und vielen Menschen das Leben erleichtern kann. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Dokalik-Jonak: Aufgrund eines Unfalls konnte ich im Rahmen meines Spital-Aufenthalts aus nächster Nähe beobachten, wie engagiert und mit hohem persönlichen Einsatz Ärzte und Therapeuten SchlaganfallpatientInnen betreuten, aber dafür leider nur begrenzte Mittel sowie Zeit zur Verfügung hatten. 

Dann verunglückte mein Bruder mit dem Mountainbike. Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma mit nur 30 % Überlebenschance. Ein großer Schock für uns alle, aber besonders für seine Familie. Hier wurde mir erst so richtig bewusst, was es bedeutet Sprache und kognitive Fähigkeiten „neu“ zu lernen.

Diese Erlebnisse brachten mich auf die Idee von Memocorby und in welchen medizinischen Feldern Memocorby helfen kann. Auch war mir aufgrund meiner beruflichen Erfahrung als Linguistin und Pädagogin sowie meiner neurowissenschaftlichen Forschungstätigkeit bewusst, dass man Sprache nachhaltiger und effizienter (wieder-) erlernt, wenn man einen multi-sensorischen Lernansatz mit vielen Wiederholungen verfolgt – und dieser vor allem Spaß macht. Memocorby ist also durch meine persönliche und berufliche Erfahrung entstanden.


Eine der Hauptzielgruppen sind Logopädinnen und Logopäden. Im österr. Logopädie-Verband ist Memocorby ja bereits bestens bekannt.

Dokalik-Jonak: Wir haben die volle Unterstützung von LogopädieAustria, dem österreichische Berufsverband der Logopädinnen und Logopäden. Vor allem die Präsidentin Dr. Karin Pfaller steht hinter uns und unterstützt uns. Bereits im März 2018 waren wir beim jährlichen Symposion in Salzburg vertreten und ich wurde eingeladen, einen Vortrag über neurowissenschaftliches Lernen zu halten. Der Vortrag wurde begeisterst aufgenommen, mit vielen interessierten Fragen und tollem Feedback. Das hat mich wirklich gefreut. Wir konnten tolle Kontakte knüpfen und viele LogopädInnen haben sich in unsere Vorbestellliste eingetragen.

Zusätzlich haben wir auch eine Verbindung zum Fond Soziales Wien aufgebaut. Die Betreuungseinrichtungen des FSW sind sehr daran interessiert, mit Memocorby zu arbeiten. Zur Zeit arbeiten wir daran, das gleiche für die Tagesstätten von Caritas Socialis und der Volksshilfe zu erreichen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Präsentation von Memocorby am 22.November bei „Demenz in Bewegung“ bei der CS Caritas Socialis im 3. Bezirk.

Die Anwendung von Memocorby spezialisiert sich auf die Therapie von Schlaganfall-Patienten. Bei welchen Therapien kann das Tool noch angewandt werden?

Dokalik-Jonak: Das Einzigartige an Memocorby ist, dass man damit alles mögliche Lernen kann, Sprache, mathematische Formeln, historische Daten oder soziales Verhalten. Wir haben den Prozess des Lernens nach neurowissenschaftlichen Gesichtspunkten optimiert, digital verpackt und haptisches Lernen trotz Digitalisierung mittels unserer Würfel möglich gemacht. Der haptische Lernreiz ist ganz wichtig für einen nachhaltigen Lernerfolg – leider ist reines Wischen am Handy oder Tablet nicht ausreichend dafür.

Das zweite, ganz wichtige Anwendungsgebiet von Memocorby sind Kinder mit Sprachbeeinträchtigungen oder Kinder mit besonderem Förderbedarf. Es ist ganz schwierig Sprachdefizite bei Kindern, die noch nicht lesen können, zu diagnostizieren und zu therapieren. Meistens kommen die Kinder viel zu spät in die Sprachtherapie. Wir leisten hier wirklich Pionierarbeit und freuen uns sehr, daß wir das AKH sowie die FH Krems und andere medizinische Einrichtungen als Partner für ein HORIZON 2020 Entwicklungsprojekt gewonnen haben. Wir sind gerade dabei den Förderantrag zu schreiben. Halten Sie uns die Daumen!

Wo sehen Sie das größte Potential?

Dokalik-Jonak: Das größte Potential für Memocorby sehe ich in der Telemedizin und Telerehabilitation. Wenn man sich die Anzahl der PatientInnen und die Größe des Marktes ansieht, ist klar, dass man in der Sprachtherapie digital arbeiten muss. Wir müssen weg von den rein analogen Behandlungen und mehr in Richtung Telemedizin und Telerehabilitation, sonst können wir das als Gesellschaft nicht mehr leisten. Die Personalkosten werden höher und es gibt zu wenig Logopädinnen.

Rein zahlenmäßig und unter Einbeziehung der demographischen Entwicklung betrachtet, ist der größte Markt für Memocorby der Bereich der Demenz- und Schlaganfallpatienten.

Aber als Mutter liegen mir vor allem die Kinder am Herzen. Wenn man Sprachbeeinträchtigungen so früh wie möglich behandelt - am besten noch vor Schuleintritt - kann man viele Lernprobleme verhindern oder zumindest mildern. 

Sie planen ja, das Geschäftsmodell rund um Memocorby auf mehrere Länder auszuweiten. In wie viele Sprachen wird das Tool verfügbar sein?

Dokalik-Jonak: Memocorby ist ja ein digitales Werkzeug. Das hat mehrere Vorteile. Zum Beispiel können wir dadurch die Therapiesprache auf „Knopfdruck“ ändern und somit internationale PatientInnen in ihrer Muttersprache behandeln, auch wenn die TherapeutIn die Sprache nur wenig spricht.

Wir können rund 50 Sprachen und Dialekte abrufen, aber fangen natürlich mit den häufigsten Sprachen an: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch usw. Wir arbeiten bei den Sprachen ganz eng mit einem internationalen Unternehmen für generierte Sprachen zusammen. Diese Firma gehört zu den Marktführern in ihrem Bereich und unterstützt Memocorby, indem sie uns nur einen symbolischen Betrag für die Verwendung ihrer Audio-Aufnahmen verrechnet. Wir haben auch schon Anfragen zu Memocorby aus den USA, Frankreich, Israel, Polen, Mexiko und Italien bekommen. Memocorby ist wirtschaftlich daher hoch interessant, da es international skalierbar ist.

Was ist Ihre Vision für Memocorby?

Dokalik-Jonak: Meine Vision ist, mit Memocorby so vielen Menschen wie möglich die Sprache wiederzugeben, die Marktführerschaft bei der digitalen Sprachtherapie und post-stationären Telerehabilitation zu erlangen und zu einem internationalen Standard bei der Diagnose von Sprachbeeinträchtigungen zu werden.

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WARNHINWEIS: Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. 



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